Der Lagerausfall zwei Monate nach dem Austausch des Getriebesatzes
In einem Lebensmittelverarbeitungsbetrieb wurde im März das Schneckenrad eines Förderband-Eckantriebs ausgetauscht. Im Mai fiel der Antrieb erneut aus – mit denselben Symptomen und demselben Geräuschprofil. Das Wartungsteam bestellte ein neues Schneckenrad und demontierte den Antrieb während der Wartezeit, um die Fehlerursache zu ermitteln. Die Zahnflanken des Schneckenrads waren makellos – seit dem Einbau im März kaum berührt worden. Die Schneckenwellenlager waren defekt: Der Außenring des Festlagers wies einen Abplatzbruch auf, der auf axiale Überlastermüdung hindeutete.
Die Untersuchung ergab: Der Förderer nutzte einen Keilriemen, der den Motor mit der Schneckenwelle verband. Die Riemenspannung von 2,5 kN wirkte radial auf den Wellenüberhang. Das Wartungsteam hatte zwar das Getriebe, aber nicht die Lager ausgetauscht und nicht neu berechnet, ob die vorhandenen Lager (Standard-Rillenkugellager der Baureihe 6206) die kombinierte Radial- und Axialbelastung aufnehmen konnten. Standard-Rillenkugellager nehmen Axiallasten bis zu etwa 301 % ihrer Radialtragfähigkeit auf. Die kombinierte Lagerbelastung auf dieser Welle überstieg die Tragfähigkeit der Baureihe 6206 um das 1,8-Fache. Das Lager wäre daher zwangsläufig ausgefallen, unabhängig davon, ob das Getriebe ausgetauscht worden wäre oder nicht.
Das Kernproblem: Schneckengetriebewellen übertragen sowohl Radialkräfte (durch die tangentiale Kraft des Zahneingriffs und die Spannung von Riemen oder Kette) als auch hohe Axialkräfte (durch die Reaktionskraft des schrägverzahnten Eingriffs, die die Schneckenwelle entlang ihrer Achse nach außen drückt). Rillenkugellager sind für Schneckenwellenanwendungen, außer bei geringster Belastung, ungeeignet. Schrägkugellager oder Kegelrollenlager – in einer fest-schwimmenden oder antiparallel angeordneten Konfiguration zur Aufnahme von Axialkräften in beide Richtungen – sind die richtige Spezifikation für die Schneckenwelle in allen Anwendungen außer den leichtesten.
Der axiale Schub der Schneckenwelle – Warum er so groß ist
Bei einem Schneckengetriebe zerlegt sich die Zahnkraft im Eingriff in drei Komponenten, die auf jede Welle wirken: tangential (drehmomenterzeugend), radial (trennend senkrecht zum Teilkreis) und axial (Schubkraft entlang der Wellenachse). Bei einem Schrägverzahnungspaar beträgt die axiale Schubkraft typischerweise 20–40¹³T der tangentialen Kraft. Bei einem Schneckengetriebe ist das Verhältnis grundlegend anders und die Belastung für die Schneckenwelle wesentlich höher.
Die entscheidende Erkenntnis: Bei einem Schneckengetriebe mit einem Übersetzungsverhältnis von 50:1 (q=12) beträgt die axiale Schubkraft auf die Schneckenwelle 4,17-fache Tangentialkraft auf der Schneckenwelle. Da die meisten Ingenieure die Lagerbelastungen aus dem Wellendrehmoment und dem Teilkreisradius (der die Tangentialkraft ergibt) berechnen, ermitteln sie lediglich 24% der tatsächlichen axialen Lagerbelastung. Ein Schneckenwellenlager, das nur für die Tangentialkraft ausgelegt ist, ist für die axiale Belastung um den Faktor 4 unterdimensioniert. Dies ist der häufigste Konstruktionsfehler bei Schneckengetriebelagern.
Lagerwahl – Schneckenwelle vs. Radwelle
Schneckenwelle — Festlager
Das Festlager der Schneckenwelle muss sowohl die radiale Eingriffskraft als auch den vollen bidirektionalen Axialschub aufnehmen. Schrägkugellager, die Rücken an Rücken (DB-Anordnung) oder Stirn an Stirn (DF-Anordnung) montiert sind, ermöglichen diese kombinierte Belastbarkeit. Der Kontaktwinkel (typischerweise 25–40 Grad) bestimmt das Verhältnis von axialer zu radialer Tragfähigkeit – ein größerer Kontaktwinkel führt zu einer höheren axialen Tragfähigkeit. Für die meisten Schneckenwellenanwendungen sind Schrägkugellager mit einem Kontaktwinkel von 30 Grad oder 40 Grad geeignet.
Schneckenwelle — Gleitlager
Das Gleitlager am nicht-axialen Ende der Schneckenwelle nimmt ausschließlich die Radiallastkomponente des Eingriffs sowie etwaige äußere Überhanglasten auf. Es ermöglicht die axiale Wärmeausdehnung der Welle, ohne dass axiale Zwangskräfte entstehen. Standardmäßige Rillenkugellager sind für diese Position geeignet, da hier keine Axiallast übertragen wird. Die Bohrung des Gleitlagergehäuses ist typischerweise so dimensioniert, dass eine geringe axiale Bewegung (0,3–0,8 mm) zur Aufnahme der Wärmeausdehnung möglich ist.
Radwelle – Beide Lager
Die Schneckenwelle überträgt das Abtriebsdrehmoment radial und die radiale Eingriffsreaktionskraft (Fr2). Die Axialkraft auf die Schneckenwelle (Fa2) entspricht Fr1, der Radialkraft auf die Schneckenwelle – typischerweise gering im Verhältnis zur radialen Tragfähigkeit der Schneckenwelle. Standard-Rillenkugellager sind in den meisten Fällen für Schneckenwellenanwendungen ausreichend. Bei Anwendungen mit hohem Abtriebsdrehmoment (Modul M8+, Betriebsart D3) sind Zylinderrollenlager aufgrund ihrer höheren radialen Tragfähigkeit empfehlenswert.
Schneckenwelle – Hinzufügung externer Lasten
Wird die Schneckenwelle über einen Keilriemen oder eine Kette von einem Motor angetrieben, wirkt durch die Riemen-/Kettenspannung eine Radialkraft auf den Wellenüberhang, die die Radialkraft im Eingriff übersteigen kann. Diese äußere Kraft muss zur Berechnung der Lagerbelastung vektoriell zur Radialkraft im Eingriff addiert werden. Die Riemenspannung wirkt senkrecht zur Riemenbreite, die Radialkraft im Eingriff entlang der Achse zwischen den Wellen. Die resultierende Kraft hängt vom Winkel zwischen den Kräften ab. Im ungünstigsten Fall werden sie linear addiert: FLager = FRiemen + FRadialkraft im Eingriff.
Lebensdauerberechnung für Lager – L10 Stunden für Schneckenwellenanwendung
Die ISO-Lagerlebensdauerberechnung (L10 – die Lebensdauer, bei der 10% identischer Lager voraussichtlich aufgrund von Ermüdung ausfallen) erfordert die äquivalente dynamische Lagerbelastung P, welche die radialen und axialen Komponenten für Schrägkugellager kombiniert.
Rechenbeispiel: Schneckengetriebe 50:1, 3 kW, 1450 U/min Eingangsdrehzahl
z1=1, z2=50, m=4, d1=48mm, d2=200mm, lambda=1,52 deg, efficiency 62%
T2 = 3000 x 0,62 / (29,0 x π/30) = 3000 x 0,62 / 3,036 = 612 Nm
Fa1 = 2T2/d2 = 2 x 612 / 0,200 = 6120 N
Ft1 = 2T1/d1 = 2 × (3000/3,036 × 0,62)/(0,048 × 2) = ??? Sei T1 = P/(ω1) = 3000/(1450 × 2π/60) = 19,75 Nm; Ft1 = 2 × 19,75/0,048 = 823 N
6120/823 = 7,4x — Die axiale Kraft der Schneckenwelle ist 7,4-mal so groß wie die tangentiale.
Fr = 1200 N (Netz + Gurt), Fa = 6120 N; aus dem Katalog X = 0,35, Y = 0,57: P = 0,35 × 1200 + 0,57 × 6120 = 420 + 3488 = 3908 N
L10 = (32500/3908)^3 = 578 Millionen Umdrehungen; L10h = 578e6/(60×1450) = 6644 Stunden
Falsch dimensioniert, nur für Radialkräfte: P_falsch = Fr = 1200 N; L10h_falsch = (28100/1200)^3/(60×1450) = scheinbare 56.000 Stunden – aber die tatsächliche Tragfähigkeit Fa = 6120 N überlastet die 6210 vollständig: Die axiale Tragfähigkeit der 6210 beträgt ca. 30% von C0 = 16500 N = 4950 N – 6120 N überschreiten diese Kapazität.
Fünf häufige Fehler bei der Spezifikation von Schneckenradlagern
| Fehler | Was läuft schief? | Richtige Vorgehensweise |
|---|---|---|
| Rillenkugellager auf Schneckenwelle | DGBB kann nur eine Radialbelastbarkeit von 30% axial aufnehmen. Die axiale Belastung der Schneckenwelle kann das 4- bis 7-Fache der Radialbelastbarkeit betragen. Lagerüberlastungen in axialer Richtung führen innerhalb von Wochen bis Monaten zu Abplatzungen und Materialermüdung. | Schrägkugellager (zwei Rücken an Rücken) oder Kegelrollenlager an der festen (Axial-)Lagerposition. |
| Vergessen der Riemen- oder Kettenspannung bei Radialbelastung | Die Keilriemenspannung kann radial am Wellenüberhang 1.500–4.000 N betragen. Wird sie nicht berücksichtigt, wird die Lagerkraft Fr deutlich unterschätzt. | Addiere den Kraftvektor der Riemenspannung zur radialen Kraft im Eingriff. Verwende die Summe der Riemenspannungen auf der Zug- und der Leerlaufseite für den ungünstigsten Fall. |
| Dimensionierung beider Schneckenwellenlager als Festlager | Zwei Festlager auf der Schneckenwelle erzeugen eine axiale Spannung, die der Wärmeausdehnung entgegenwirkt. Mit zunehmender Erwärmung der Welle werden beide Lager axial vorgespannt, was die Materialermüdung beschleunigt. | Ein Festlager (Axiallager) + ein Gleitlager. Das Gleitlager ermöglicht die axiale Wärmeausdehnung. |
| Die Lagerbelastung wird anhand der Drehmomentangaben aus dem Katalog geschätzt. | Das im Katalog angegebene Ausgangsdrehmoment entspricht dem Nenndrehmoment unter Nennbedingungen. Tatsächliche Spitzendrehmomente (Anlauf, Überlast) können 2- bis 3-mal höher sein und entsprechend höhere Lagerbelastungen verursachen. | Die Lagerbelastung ist beim maximalen Betriebsdrehmoment (Betriebsdrehmoment x Betriebsfaktor) zu berechnen, nicht beim Nenndrehmoment aus dem Katalog. |
| Beim Austausch eines defekten Lagers wird der Lagertyp ignoriert. | Ein defektes Lager, das aufgrund falscher Spezifikation ausgefallen ist, wird auch bei einem Austausch mit derselben falschen Spezifikation erneut ausfallen. Der bloße Austausch durch ein identisches Lager führt zur Fortsetzung des Konstruktionsfehlers. | Beim Austausch eines defekten Lagers sollte vor der Bestellung des Ersatzteils geprüft werden, ob die ursprüngliche Spezifikation korrekt war. Wenn der Ausfall vorzeitig aufgetreten ist, könnte die ursprüngliche Spezifikation die Ursache sein. |
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Herausgeber: Cxm









